Bienenfleißig geht es im BMW Group Werk Leipzig zu. Während über 4.700 Mitarbeiter täglich rund 850 Automobile bauen, kümmern sich außerhalb der Produktionshallen 13 Bienenvölker um die Wildpflanzen auf dem Werksgelände und produzieren Honig.

Margeriten, Kornblumen, Salbei, Mohn und viele andere Wiesenblumen und Gräser wiegen sich im Wind. Bienen summen. Windräder drehen in der Luft ihre Kreise. Eine Sommer-Land-Idylle? Nicht ganz, denn anstelle des erwarteten Bauernhofes und der Fachwerkhäuser reihen sich große Werkshallen am Rande des Feldes aneinander. Die bunte Wiese liegt auf dem Areal des BMW Group Werks Leipzig. Neben einer nachhaltigen Produktion legen die Leipziger viel Wert auf eine umweltgerechte Gestaltung des Werksgeländes. 40 Prozent sind derzeit noch Grünflächen.

Beste Bedingungen für Bienen
Statt das Land einfach nur brachliegen zu lassen, hat die für den Umweltschutz zuständige Abteilung die Gelegenheit beim Schopf gepackt: Um einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz und der Erhaltung gefährdeter Pflanzen und Insekten zu leisten, entschied man sich dafür, das Freigelände möglichst naturnah zu gestalten. So wurde für das Werk eine spezielle Wiesensaatmischung mit rund 50 verschiedenen Wild- und Kulturpflanzen erstellt. Viele dieser Pflanzen stehen bereits auf der Roten Liste des Bundeslandes Sachsen und sind teilweise vom Aussterben bedroht. Zusammen mit vielen unterschiedlichen Baum- und Straucharten auf dem Gelände bieten sie nun einen Lebensraum für verschiedenste Insekten und Tiere. Allen voran rund 780.000 Bienen, die seit einiger Zeit auf dem Gelände ihrer Arbeit nachgehen. Die Imker Günther und Richard Beer, die ihre 13 Bienenvölker auf dem Werksgelände angesiedelt haben, sind begeistert von dem Projekt: „Es ist erstaunlich, was hier alles blüht. Bessere Bedingungen können die Bienen kaum haben.“

Der Honig ist nicht das einzige Naturprodukt, das im Leipziger Werk geerntet wird. Auch Äpfel zählen dazu. 230 Apfelbäume wachsen im Werk, allesamt heimisch, teils selten gewordene Arten wie Kaiser Wilhelm, Gravensteiner oder Glockenapfel. Mitarbeiter und Führungskräfte helfen bei der Ernte mit und freuen sich über den Apfelsaft, der dann im gesamten Werk verteilt wird.

Artenvielfalt statt Monokultur
Doch warum so viel Natur in einem Automobilwerk? „Mit den Maßnahmen zur Biodiversität wollen wir einen Beitrag zur Nachhaltigkeitsstrategie der BMW Group leisten“, sagt Felix Körner, Spezialist für Umweltschutz im Leipziger Werk. „Bevor das Werk gebaut wurde, waren hier zwar Felder – aber reine Monokulturen.“ Dann kam die Bauphase, in der zunächst kaum etwas Grünes Platz hatte. Es folgte die erste Anpflanzung. Und jetzt, elf Jahre später, blüht die Landschaft vielfältig. Mittlerweile leben rund 40 verschiedene Schmetterlings-, Libellen- und Heuschreckenarten, über 30 verschiedene Vogelarten und zahlreiche Feldhasen auf dem Werksgelände – auch hierunter eine Reihe gefährdeter Spezies. Laut dem ‚Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland‘ (BUND) und dem Naturschutzbund NABU, mit denen das Werk zusammenarbeitet, sei das ein gutes Beispiel, wie Natur und Industrie zu beiderseitigem Nutzen gedeihen können.